Intelligent, spannend, einfallsreich und böse unterhaltsam

Teufel: Engel des Todes (Die Luzifer-Chroniken 2) - Markus Tillmanns, Mart Klein, Miriam Migliazzi

Der erste Band der Luzifer-Chroniken hatte mich schon sehr begeistert, deswegen war ich natürlich sehr gespannt, ob der zweite Band das gleiche Niveau halten würde. Aber ich war da sehr zuversichtlich - und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

 

Die Geschichte geht originell, komplex und einfallsreich weiter. Immer wenn man denkt, jetzt habe man alles durchschaut, muss man feststellen, dass die Dinge doch ganz anders sind... Denn im Hintergrund wirkt eine bisher unbekannte Macht, heimlich und perfide, und man kann sich nie darauf verlassen, wer gut ist und wer böse. Denn mehr als ein Mitspieler spielt ein doppeltes Spiel.

 

Ich war wieder beeindruckt, wie gekonnt der Autor die verschiedenen Religionen und Mythen einbringt in die Geschichte. Die Dinge sind hier nicht so einfach wie in der christlichen Bibel, wo es nur den einen Gott und den einen Teufel gibt!

 

Aljoscha Tabarie war mir wieder sehr sympathisch, denn er ist ein mutiger, ehrlicher Mensch, der im Grunde "nur" die Welt verbessern will, aber intelligent genug ist, vor dem Bösen nicht die Augen zu verschließen. Er hat es ganz schön schwer in diesem Band, denn er leitet ja nun die Luzifer Foundation - was ihn nur scheinbar zum mächtigsten Mann der Welt macht, sich aber schnell als wahre Sisyphusarbeit herausstellt. Er weiß nicht, wem er trauen kann, denn hinter dem schönen Schein brodelt ein wahrer Sumpf aus Intrigen und Korruption.

 

Gül kommt in diesem Band eher am Rande vor. Sie kümmert sich inzwischen wie eine Mutter um die kleine Li, aber die hat einen intrigante, mächtigen Freund, der sie dazu bringt, schlimme Dinge zu tun...

 

Die Charaktere fand ich alle sehr gut und dreidimensional geschrieben. Besonders interessant fand ich Gnessus, eine künstliche Intelligenz, die von der Foundation erschaffen wurde, um eine beratende Funktion einzunehmen. Wobei ich mir da direkt dachte: wann war das, in Filmen oder Büchern, je eine gute Idee?! Ob ich mit meinen Zweifeln richtig lag, das möchte ich natürlich noch nicht verraten!

 

Die Spannung hat sich im Vergleich zum ersten Band sogar noch gesteigert, denn die Gefahren lauern wirklich überall, und es wird immer klarer, dass sich die Geschehnisse möglicherweise auf eine Katastrophe zubewegen...

 

Ich kann nur wiederholen, was ich zum Thema "Schreibstil" in meiner Rezension zum ersten Band gesagt habe: der Autor hat eine ganz eigene, unverwechselbare Stimme und erzählt die Geschichte eindringlich, wortgewaltig, atmosphärisch... Und oft mit einem trockenen, bösen Humor, den ich großartig fand!

 

Zitat:
"Kennen Sie die Engel aus den alten Geschichten? Die vom Himmel herabsteigen, um Gottes Wort zu verkünden. Die den Menschen die Botschaft von der Liebe Gottes predigen? Die ihn vor allen Gefahren beschützen?"
Brenner entfuhr ein heiseres Krächzen. "Ja."
Der Geflügelte sah auf ihn herab. "Ich bin keiner von dieser Sorte."

 

Fazit:
Der zweite Band der Luzifer-Chroniken ist wieder einfallsreich und intelligent geschrieben, und vielleicht sogar noch spannender als der erste Band! Für mich ein Buch, bei dem man wirklich mitdenken muss, bei dem das Mitdenken aber einfach Spaß macht (wenn auch auf böse Art und Weise).

Quelle: http://mikkaliest.blogspot.de/2015/07/teufel-engel-des-todes-luzifer.html