Sommernachtsschrei

Sommernachtsschrei - Manuela Martini Pro:
Die Grundidee ist richtig, richtig gut: das Buch ist aus Sicht eines Mädchens geschrieben, dessen Leben sich vor einem Jahr in einen Albtraum verwandelt hat. In einer Minute war sie noch endlich mit dem Jungen, in den sie verliebt war, alleine in einem Bootshaus und voller glücklicher Erwartung auf einen romantischen Ausflug auf den See - dann hatte sie einen Blackout, und als sie wieder bei sich war, lag der Junge tot vor ihr. Erschlagen. Anscheinend mit dem Ruder, das sie selber noch in der Hand hielt. Es folgte eine schreckliche Zeit in Untersuchungshaft, gefolgt von einem längeren Aufenthalt in einer Klinik... Im Endeffekt wurde sie aus Mangel an Beweisen freigelassen, aber sie selber kann sich nicht so einfach vergeben. Deswegen kehrt sie an den Ort der Tragödie zurück, in der Hoffnung, dass sie sich endlich wieder daran erinnern kann, was in den Minuten ihres Blackouts passiert ist - warum hat sie das getan? Sie mochte diesen Jungen doch!

Die Idee, einen Jugendthriller erst lange nach dem Mordfall beginnen zu lassen, und das aus Sicht der jungen Mörderin (ich will hier noch nicht verraten, ob sie das tatsächlich ist oder nicht), ist sehr originell, das habe ich so noch nicht gelesen. Und am Anfang fand ich es auch sehr spannend, denn ich wollte unbedingt wissen, OB sie es getan hat und wenn ja, WARUM! Aber... Siehe "Kontra".

Ich mochte Franziska gerne, und habe direkt mit ihr mitgefühlt. Die Zeit im Gefängnis war schrecklich für sie, und seither muss sie damit leben, dass ihre Eltern nicht mehr wissen, wie sie mit ihr umgehen sollen, und dass sie von den meisten ihrer ehemaligen Schulkameraden gehasst wird - und natürlich von der Familie des Jungen. Sie geht tapfer damit um, und statt einfach mit ihrem Leben weiterzumachen, stellt sie sich mutig ihrer Schuld und versucht, nicht nur für sich selbst die Wahrheit herauszufinden. Was die anderen Charaktere betrifft, muss ich leider wieder sagen: siehe "Kontra".

Den Schreibstil an sich fand ich gut und unterhaltsam, nur leider konnte mich das Buch eben inhaltlich nicht überzeugen.

Kontra:
Leider verpuffte die Spannung für mich relativ schnell, denn ich fand es schon nach wenigen Kapiteln zumindest in Grundzügen offensichtlich, was passiert war und ob Franziska den Jungen umgebracht hat oder nicht. Die Autorin versucht, eine ganze Menge falscher Fährten zu legen, aber die konnten mich alle nicht überzeugen - am Ende stellte sich genau das heraus, was ich direkt vermutet hatte. Sehr enttäuschend!

Viele der Charaktere, wie z.B. Franziskas Eltern, blieben sehr blass. Am wenigsten gefallen haben mir Franziskas sogenannte beste Freundinnen - drei zickige, arrogante Mädchen, bei denen ich nicht verstehen konnte, warum Franziska überhaupt mit ihnen befreundet sein will. Sie lässt sich direkt am Anfang von ihnen ausnutzen, indem sie Alkohol für sie stiehlt und sie durch die Gegend kutschiert (was nicht gut ausgeht), und auch danach hatte ich nie den Eindruck, dass die drei gut für Franziska sind. Eigentlich kam mir Franzi vor wie ein intelligentes Mädchen, und deswegen fand ich es unglaubwürdig, dass sie so blind ist, was ihre Freundinnen betrifft.

Es gibt eine Art angedeuteter Liebesgeschichte, die mir sehr aufgesetzt vorkam und das Buch meiner Meinung nach nicht wirklich bereicherte.

Zusammenfassung:
Eine wirklich vielversprechende Grundidee, aber für mich verpuffte die Spannung schnell, weil ich die Auflösung des Ganzen viel zu offensichtlich fand.