Pinguine lieben nur einmal

Pinguine lieben nur einmal - Kyra Groh Pro:
Das Cover springt auf jeden Fall direkt ins Auge - oh, was für ein süßer kleiner Pinguin! Und was zieht er da, einen Maulwurf?! Höh, warum das denn? Ja, da will man doch direkt das Buch lesen! Und das lohnt sich auf jeden Fall. Wobei ich gestehen muss: da war ich mir erst alles andere als sicher drüber. Denn zuerst mochte ich Feli nicht, und Janosch noch viel weniger.

Feli ist wirklich MEGAkompliziert. Sie hat eine Menge Rituale; zum Beispiel hat sie einen ganz bestimmten Tag, an dem sie einkaufen geht, und dann auch immer in den gleichen Läden und in der gleichen Reihenfolge. So jung sie auch ist - sie ist Studentin -, ist sie schon wahnsinnig festgefahren in ihrem Leben. Sie will die Dinge genau SO, wie sie sie nun mal will. Und das immer. Sie kann nett sein, sie kann zickig sein. Sie kann großzügig sein, sie kann stur sein. Und faul ist sie außerdem, und das so richtig. Manchmal wollte ich sie erwürgen. Warum steht das also nicht bei "Kontra"? Weil es sie echt macht, und vielschichtig. Und irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: so warst du in dem Alter manchmal auch. Und sooft ich sie würgen wollte, sooft wollte ich sie auch umarmen.

Außerdem macht sie in diesem Roman eine echte Entwicklung durch. Sie lernt, sich selber besser zu verstehen, und sie lernt, manchmal auch loszulassen und Dinge anders zu machen.

Ja, und dann wäre da Janosch. Der Klappentext verschweigt dezent, dass er blind ist - deswegen der Maulwurf auf dem Cover. Zuerst fand ich ihn unmöglich: unhöflich, unfreundlich, manchmal arrogant, und immer schnell dabei, sich wegen seiner Blindheit angegriffen zu fühlen. Ganz ehrlich, wäre ich Feli, ich hätte ihn spätestens nach drei fiesen Sprüchen innerlich abgehakt, und ich konnte nicht verstehen, warum sie sich stattdessen glühend in ihn verliebt hat. Aber auch das hat sich im Laufe des Buches immer mehr gelegt, weil ich ihn immer besser verstehen konnte. Ja, er ist immer noch ein zutiefst schwieriger Mensch, bis zum Schluss, aber das hat erstens seine Gründe, und zweitens entwickelt auch er sich grundlegend weiter.

Der Schreibstil lässt sich prima und flüssig lesen, und obwohl das Buch durchaus ein ernstes Grundthema hat, gibt es doch viele wirklich witzige Szenen - besonders mit Felis türkischem (und schwulen) Mitbewohner Cem, der einfach goldig ist! Mir hat diese Mischung aus Liebesgeschichte und echtem Tiefgang insgesamt sehr gut gefallen.

An der Liebesgeschichte gefiel mir besonders, dass sie nicht pappig zuckersüß war - hier geht es um zwei Menschen, die beide nicht einfach sind und erst lernen müssen, dass Liebe ein Geben und Nehmen ist, aber dass sich das lohnt. Für mich blieb bis zum Schluss spannend, ob sie es wohl schaffen würden.

Kontra:
Manchmal war mir Janosch doch ein bisschen ZU unausstehlich. Ja, er hatte es manchmal schwer im Leben, und ja, es ist sicher kein Zuckerschlecken, blind durchs Leben zu gehen, aber er lässt es manchmal doch zu sehr an anderen Leuten aus.

Zusammenfassung:
Eine Liebesgeschichte, aber eine realistische - und problematische. Können sich ein schwieriges, kompliziertes Mädchen, dass sich selber noch nicht gefunden hat, und ein unfreundlicher, sarkastischer Junge, der sich selbst nicht leiden kann (und auch sonst fast niemanden), wirkich finden? Das zu lesen macht manchmal Spaß, und manchmal ist es eine Qual, weil man so mitleidet.