Ransom My Heart

Ransom My Heart - Meg Cabot Pro:
Finnula, genannt Finn, ist eine Heldin nach meinem Geschmack: sie ist eine selbstbewusste junge Frau, die keineswegs damit zufrieden ist, einen geeigneten Ehemann zu finden und dann den Rest ihres Lebens für ihn zu kochen, Wäsche zu waschen und Kinder zu gebären. Viel lieber zieht sie ihre (für eine Frau schockierend unziemliche!) Jagdkleidung an und durchstreift die Wäler, um Wildbret zu schießen. Als eine ihrer Schwester in die prekäre Lage gerät, schnellstmöglich heiraten zu müssen, obwohl sie ihre ganze Mitgift für schöne Kleider, Schmuck und Ähnliches verprasst hat, zieht Finn los, um einen reichen Mann zu entführen und für ihn Lösegeld zu verlangen...

Historisch gesehen ist Finn sicher nicht 100%ig glaubwürdig, aber sie war mir trotzdem sympathisch und ihre Kapriolen haben mich öfter zum Lächeln gebracht.

Ihr männlicher Gegenpart ist Hugo, Earl von Stephensgate, der gerade von den Kreuzzeugen heimkehrt. Bisher hat er Frauen links und rechts das Herz gebrochen, es aber nie wirklich ernst gemeint - und nun tritt ausgerechnet Finn in sein Leben, die dem Bild dessen, wie die Frau eines Earls sein sollte, überhaupt nicht entspricht... Auch Hugo mochte ich direkt - obwohl er manchmal eben wie ein typischer Mann seiner Zeit denkt und Frauen nicht viel zutraut, ist er doch lernfähig und lernt Finn schnell gerade für ihre Eigenarten schätzen.

Den Schreibstil fand ich gut gelungen, wenn auch nicht herausragend: Satzstellung und Vokabular sind leicht an das historische Ambiente angepasst, aber nicht so sehr, dass es den Lesefluss hemmen würde. Die Liebesszenen sind (wie erwartet) ziemlich blumig und kitschig, aber Gott sei Dank noch ein Stück weit von dem triefenden Kitsch der Art von Romanen entfernt, auf deren Titelbildern grundsätzlich halbnackte Schönlinge und schmachtende Frauen prangen...

Das Buch liest sich einfach und unterhaltsam runter und lebt vor Allem von Finns hitziger, kompromissloser Art und den Wortgefechten, die sich dadurch zwischen ihr und ihrem ebenfalls nicht auf den Mund gefallenem "Opfer" ergeben. Viel Nachdenken erfordert der Roman nicht und eignet sich dadurch prima für Gelegenheiten, wenn man einfach nur leichte Lektüre für ein paar gemütliche Lesestunden braucht.

Das Cover gefiel mir gut und ist schöner, wenn man es erstmal in der Hand hält. Zwar ziert das Titelbild mal wieder ein Frauengesicht, aber die künstliche Patina und die goldenen Prägungen geben ihm etwas Edles, das gut zur Geschichte passt.

Kontra:
Zwar fand ich die Idee charmant und originell, dass es in der Gegend, in der Finn lebt, schon zur liebgewonnenen Tradition geworden ist, dass Frauen reiche Männer entführen, um an Geld zu kommen... (Manche Frauen haben bereits alle verfügbaren reichen Männer mindestens einmal entführt!) Aber damit hat sich die Originalität auch schon erschöpft. Eigentlich weiß man nach dem Klappentext bereits, was im Groben passieren wird ( auch wenn der Klappentext Dinge behauptet, die so im Buch gar nicht vorkommen). Die Autorin bemüht sich, ab und zu durch ein paar Nebenhandlungen oder unerwartete Ereignisse Spannung aufzubauen, aber auch diese fand ich enttäuschend vorhersehbar. Das Ende kam für mich alles andere als überraschend, und ich fand wenig glaubwürdig, dass unsere beiden Protagonisten anscheinend unter spontaner Amnesie litten, was mögliche Widersacher betraf.

Spannung hat sich für mich fast nie aufgebaut - man weiß ja, dass in dieser Art von Liebesroman die Helden nicht sterben und die Geschichte unweigerlich auf ein Happy End zuläuft! Da bleibt nur das Wie und Warum, um Spannung zu erzeugen, und wie eben schon erwähnt, war das Buch dazu zu vorhersehbar. Lustige Grundidee, das Aufeinanderprallen zweier unterschiedlicher Charaktere, fiese Widersacher, das ein oder andere Mißverständnis, Konflikt, Happy End.

Zusammenfassung:
Wenn ich darüber nachdenke, wie ich dieses Buch in wenigen Worten beschreiben würde, fällt mir als erstes "Aus den Augen, aus dem Sinn" ein. Für mich war "Ransom my Heart" eines dieser Bücher, das einen für ein paar Stunden beschäftigt, und wann man es dann zuklappt, hat man es auch schnell wieder vergessen.