Duocarns - Die Ankunft

Duocarns - Die Ankunft - Pat McCraw Pro:
Der größte Pluspunkt der Geschichte ist ihre Originalität: ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich noch nie ein Buch gelesen habe, das Science Fiction, Liebesgeschichten (sowohl hetero- als auch homosexuelle) und Thriller auf diese Art verbindet! Hier gibt es keine Vampire, Engel, Dämonen oder die anderen Basiskonsumhelden der Romantasy. Die Autorin lässt ein Feuerwerk der Ideen auf den Leser los: die Fähigkeiten der Duocarns und der Bacanis, ihre Feindschaft, die Beschreibung der Gesellschaft, aus der sie kommen, die diversen Probleme, mit denen sich die Außerirdischen auf der Erde herumschlagen müssen... Manchmal war es mir fast ein wenig viel (s. "Kontra")!

Langeweile kommt dabei aber nie auf, und ich vermute, dass sich in den kommenden Büchern die Spannung sogar noch weiter hochschrauben wird, vor Allem im Konflikt zwischen den Duocarns und den Bacanis. Jetzt, wo der Leser die notwendigen Grundlagen erfahren hat, geht es wahrscheinlich erst richtig los!

Ich habe noch nicht das Gefühl, alle Außerirdischen richtig zu kennen, aber sie sind auf jeden Fall mit viel Liebe zum Detail in ihren Eigenarten, Fähigkeiten und Vorlieben individuell geschildert. Aiden, die Menschenfrau, die den Duocarns hilft, war mir sehr sympathisch! Auch David, den Makler, der sich in Terv verliebt, mochte ich direkt. Von den Bacanis gefiel mir Psal, die sich nicht so einfach in die Schubladen "gut" oder "böse" stecken lässt, am Besten, und ich hoffe, dass sie vielleicht noch die Seiten wechselt! Die "Bösen" in dieser Geschichte sind wirklich abgrundtief böse... Oder liegt das einfach in ihrer Natur, wie bei einem Raubtier?

Der Schreibstil ist sehr einfach und direkt, aber nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, fand ich ihn passend für diese action-betonte Geschichte.

Das Cover ist sehr ansprechend: kein 08/15-Foto eines muskelbepackten halbnackten Mannes, sondern eine wunderschöne Illustration, die eine Szene des Romans zeigt.

Kontra:
Direkt in den ersten Kapiteln werden fast alle Charaktere eingeführt, die meisten davon mit ungewohnten Namen wie Tervenarius oder Solutan - was an sich nicht schlecht ist, aber es ging mir am Anfang einfach zu schnell, um wirklich ein Gefühl dafür zu bekommen, wer wer ist. Die Handlung entwickelt sich in rasendem Tempo: Konflikte kommen auf, werden (meist relativ problemlos) gelöst, neue Nebenhandlungen werden eingeführt... Ich hatte Schwierigkeiten, wirklich in die Geschichte einzutauchen, weil einfach keine Zeit blieb, sich näher in etwas hineinzudenken bevor schon das Nächste passierte. Mir hätte es besser gefallen, wenn in dem Buch nur die Hälfte der Ideen vorgekommen wären, dafür aber mit mehr Ruhe, mehr Details und mehr Tiefe.

Manches erschien mir nicht sehr glaubwürdig: die Duocarns haben z.B. keine nennenswerten Probleme, jemanden zu finden, der ihnen riesige Mengen Platin abkauft, ohne nach der Herkunft zu fragen, und sobald die Nahrungsmittel, die sie noch im Raumschiff hatten, zur Neige gehen, findet sich auch schon ziemlich flott ein Ersatz. Sie suchen verzweifelt nach den Bacani, um die Menschheit vor ihnen zu schützen, und dann hilft ihnen ein unglaublicher Zufall... Stutzig gemacht hat mich auch, wie mühelos die menschlichen Charaktere akzeptieren, es mit Außerirdischen zu tun zu haben! Solche Dinge kamen mir des Öfteren vor wie großartiges Konfliktpotential, das leider etwas verschenkt wurde.

Etwas abgeschreckt hat mich, dass ein paar der Außerirdischen - sowohl der "guten" als auch der "schlechten" - Sex mit Tieren haben; wenigstens erzählt die Autorin uns das nur und zeigt es nicht!

Die Sexszenen sind durchaus frei und detailliert, aber nicht vulgär oder zu sehr im Mittelpunkt. Allerdings kam bei mir nur selten ein wirkliches Gefühl von Romantik oder Erotik auf - vielleicht lag es daran, dass Solutan und Terv ihren menschlichen Partnern gegenüber oft abweisend erscheinen.

Leider haben sich in den Texte ab und an Zeichensetzungsfehler, fehlende Worte u.Ä. eingeschlichen, was ich aber nicht so sehr störend fand.

Zusammenfassung:
Eine originelle Geschichte mit gut und detailliert durchdachten Charakteren und Hintergrundgeschichten, die öfters am halsbrecherichen Tempo krankt, aber viel Potential hat.