Sara Grey

Sara Grey - Daniela Sturm Gute Grundidee, schwierig in der Umsetzung

Die Grundidee fand ich eigentlich schlüssig: die 17-jährige Sara verliert ihre Eltern und ihre ganzes Leben wird von einem Tag auf den anderen umgekrempelt. Sie kommt damit nicht zurecht, verhält sich den meisten Menschen gegenüber feindselig, weil sie Niemanden an sich heranlassen will, und entwickelt eine Essstörung.

Leider fand ich das Buch dann recht sperrig zu lesen. Zum Einen ist Sara wirklich extrem patzig, unfreundlich und unhöflich zu so ziemlich JEDEM, was es schwierig macht, sich mit ihr zu identifizieren oder sie sympathisch zu finden. Ja, so soll sie sich wohl nur verhalten, um den Schmerz in ihrem Inneren zu verbergen - aber sie ist schon in der ersten Szene unangebracht rüde und aggressiv zu den Polizisten, die an ihrer Tür klingeln, bevor sie überhaupt weiß, dass ihre Eltern tot sind. Dadurch gewinnt man eher den Eindruck, dass ihre Persönlichkeit grundsätzlich so zickig und selbstbezogen ist.

** Achtung, hier wird schon viel von der Handlung verraten! **

Die Essstörung kommt ziemlich überraschend. Ja, Sara überlegt zwischendurch *einmal*, dass sie abnehmen will, um anziehender zu wirken - aber danach wird darauf nicht mehr eingegangen, bis sie gegen Ende des Buches plötzlich zusammenbricht und sich im Krankenhaus herausstellt, dass sie lebensgefährlich abgemagert ist.

Da das Ganze aus Saras Perspektive geschrieben ist, hätte das auf jeden Fall schon vorher zur Sprache kommen müssen, um glaubwürdig zu sein! Sie erwähnt auch mit keinem Wort, dass sie sich selbst verletzt, und doch hat sie dann im Krankenhaus auf einmal den ganzen Körper voller Wunden und Narben.

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Mir fehlt in diesem Buch hauptsächlich eine glaubwürdige, nachvollziehbare Charakterentwicklung. Ich habe nicht das Gefühl, Sara wirklich zu kennen, und dadurch fällt es mir auch schwer, mehr als nur vages Mitleid mir ihr zu empfinden.